Über Ziele und das Dilemma Mit-Menschen
Vor kurzem traf ich meine Freundin Nelly (das ist ihr Spitzname) nach längerer Zeit wieder. Ich war beeindruckt, dass sie es geschafft hatte, sich nicht nur das Rauchen abzugewöhnen, sondern auch noch schlanker geworden ist. Nachdem ich ihre Ausdauer und Disziplin bewundert habe, sagte sie mir, dass viele Mitmenschen das nicht so positiv sehen würden.
Meine verwunderten Fragen beantwortete sie so:
“Seit ich aufgehört habe zu Rauchen, treibe ich viel Sport, denn ich wollte auch abnehmen. Wann immer Kollegen oder Freunde meine Veränderung jetzt feststellen, höre ich praktisch nur Geunke (mundartlich für Schlechtreden).
Man bereitet mich darauf vor, dass ich das nicht durchhalte, vom Abnehmen faltig werde, mein Sport Gesundheitsrisiken birgt, oder dass mein geringer Zigarettenkonsum doch eigentlich harmlos war. Eigentlich sei ich doch noch abhängig, weil ich die zigarettenfreien Tage zähle und schlimmer noch, das Kalorienzählen sei doch ein echter Spielverderber.”
Sie zählte noch eine ganze Reihe von Argumenten, die angeblich gegen ihre neue Lebensweise sprechen, auf. Mittlerweile hat Nelly aufgehört, sich zu wundern und über mangelnde positive Kommentare zu ärgern.
Ähnlich ergeht es auch dem Streber und Klassenprimus. Ein Schüler, der selten gemocht wird und sich der großen Gruppe derjenigen, die sich durchmogeln, entzieht. Ich kann mich an einen Arbeitskollegen erinnern, der beharrlich seine Arbeit machte auch wenn der Chef nicht da war, der sich freiwillig weiterbildete und zielstrebig und diszipliniert seinen Weg ging.
Er war weniger glamourös als andere Kollegen und machte keine Versprechungen, die er nicht halten konnte. Und noch dazu trank er keinen Alkohol…; aber ich kann mich gut erinnern, dass er in den schwierigsten Vertriebszeiten seine Verkaufszahlen steigerte und in Kundenumfragen der beliebteste Verkäufer war.
Wann immer wir es schaffen, unsere Ziele in die Wirklichkeit umzusetzen, kann es sein, dass wir unerwartete Schwierigkeiten vorfinden. Manchmal kann es bedeuten, dass wir die Zugehörigkeit zu einer Gruppe verlieren und uns neu orientieren müssen. Unsere Motivation und Neugier etwas Neues zu versuchen und andere Wege auszuprobieren ist es wert – denn auch wenn der alte Trampelpfad der Gewohnheiten sinnvoll und nützlich ist – das Aufregende und Befriedigende im Leben finden wir oft nur im Ausprobieren von neuen Dingen.
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