Was ist die kleinste Verkaufs-Nische von Maikammer?
Im vergangenen Monat habe ich ein Beispiel dafür gefunden, wie klein die Verkaufs-Nische sein kann und dennoch viele, treue Kunden anzieht.
Wir leben in einem kleinen Ort an der südlichen Weinstrasse. Das, was zum Leben notwendig ist können wir hier kaufen, doch die Auswahl ist begrenzt. Es existiert ein Lebensmittelgeschäft, kein Discounter, relativ teuer und das Angebot von frischem Obst und Gemüse ist bescheiden. Also musste ich zum Einkaufen oft in den weit entfernten Großmarkt fahren, was natürlich mehr Zeit kostet.
Doch dann bot sich unverhofft eine Lösung für das Problem. Bei einem unserer Spaziergänge entdeckten wir in einem Wohngebiet eine Möglichkeit Obst und Gemüse zu kaufen. Vor einem Wohnhaus befand sich ein Verkaufs-Stand, der aussah wie eine Bude auf einem Weihnachtsmarkt. Darin und davor lagen die Waren für die Kunden appetitlich aufgebaut. Mit einer Klingel konnte man die Besitzerin herbeirufen, wenn man etwas kaufen wollte und der Stand nicht besetzt war.
In den kommenden Wochen bin ich immer wieder dort hingegangen und stellte fest: am Vormittag stand dort regelmäßig eine Traube von wartenden Kunden.
Die Hausfrauen deckten sich mit Obst, Gemüse, riesigen frischen und günstigen Eiern, Kräutern und Salat ein. Die Preise sind vergleichbar mit unserem Supermarkt, manchmal günstiger.
Doch es gibt einige weitere Vorteile für ihre Kunden, worüber die ältere Dame, die den Verkaufsstand betreibt, bereitwillig Auskunft gab:
- Die Waren, wie leicht verderblicher Salat, werden täglich frisch geholt
- Sie bietet saisonales und deshalb besonders schmackhaftes Obst und Gemüse, “Wassertomaten” führt sie nicht
- Wöchentlich gibt es besonders günstige Angebote
- Sie fragt Kunden nach Sonderbestellungen, die man am nächsten Tag abholen kann.
Mir sind noch weitere Pluspunkte eingefallen:
- Da die Waren den ganzen Tag an der kühlen Luft stehen, sind sie am Abend noch frisch – bei Frost werden sie abgedeckt
- Die Angebote stehen nicht unter dem künstlichem und leicht verfälschendem Licht des Supermarktes, die Gefahr zu Hause “Überraschungen” zu erleben ist geringer
- Das Einkaufen wird für mich als Kundin zu einem schönen Erlebnis – die Verkäuferin hat immer ein nettes Wort und manchmal sogar eine Tasse Kaffee übrig.
Ich kann nicht beurteilen, ob die Frau mit ihren Verkäufen ihren Lebensunterhalt bestreiten kann, doch ich finde die Idee klasse.
Sie bietet für Käufer eine Vielzahl von Vorteilen. Die Nachteile, die man anführen könnte, wie geringe Auswahl, kein festes Sortiment, keine festen Öffnungszeiten spielen für mich persönlich keine Rolle. Für die Kunden, die bei diesem Stand kaufen, ist das bestehende Angebot genau richtig.
Ihre Verkaufsnische sind genau die Kunden, die dieses spezielle Angebot (bezahlen) wollen.
Es ist ein bisschen wie der Tante-Emma-Laden für Obst und Gemüse auf der Strasse. Ich bin gespannt, wie sie das Problem Hitze in den Sommermonaten lösen wird – doch ich bin sicher, auch dafür hat sie eine Idee.
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