Interessent oder Kunde? Wie Sie den Unterschied erkennen und 50% Zeit sparen
Ich war noch Einzelkämpferin und arbeitete viel. Gleichzeitig versuchte ich neue Aufträge zu gewinnen. Meine Projekte verzögerten sich, weil ich mir viel Zeit für die Kundenanfragen nahm. Damals nannte ich es noch “Kundenanfragen”…
Ich verbrachte manchmal mehr Zeit mit der Beratung potentieller Käufer als mit meinen zahlenden Kunden.
Das kam mir nicht nur falsch, sondern auch unfair vor. Ich arbeitete noch mehr, doch es half nichts…
Also führte ich Statistiken. Ich wollte feststellen, wie viel Zeit die Anfragen benötigen und welche Ergebnisse ich erzielte. Und stellte mit Schrecken fest:
- 97% meiner Anfragen meldeten sich nie wieder.
- 89% der Anfragen hatten einen sehr dringenden Fall.
- 68% der Ansprechpartner wollten mich “unverbindlich” kennen lernen und luden mich in 500 km entfernte Städte ein – auf meine Kosten…
- 85% der Angebot-Einholer riefen nicht zurück – auch wenn Sie es ausdrücklich selbst versprochen hatten.
Wenn ich an einem Tag 3 Anfragen hatte, war ich 3-4 Stunden beschäftigt. Aufträge kamen aus dieser Art Anfragen fast nicht zustande.
Klar, ich war noch Anfängerin sagen Sie vielleicht und haben recht.
Dieselbe Situation erlebe ich heute beim Coaching mit Kunden. Sie wissen es aus Erfahrung – je mehr Zeit Sie mit kaufbereiten Kunden verbringen, desto höher ist Ihr Umsatz, desto besser ist die Provision. Je mehr Zeit Sie mit Interessenten verbringen, die nicht kaufen…
Was können Sie also tun?
- Verabschieden Sie sich davon, jeden Menschen, der Ihre Leistungen anfragt, Kunde oder Käufer zu nennen.
Der Begriff Käufer bedeutet: Der kauft oder verkauft, bzw. kaufen = gegen Geld erwerben. Wer sich Informationen über Ihre Leistungen einholt, ist noch kein entschlossener Käufer.
- Jemand, der an Ihren Produkten oder Leistungen “Interesse” zeigt, ist kein Käufer.
Vielleicht wird er es – vielleicht auch nicht. Interesse leitet sich aus dem Lateinischen “dazwischen sein, Anteil nehmen” ab. Es bezeichnet nicht den Erwerb einer Sache, sondern den Wunsch, Informationen einzuholen.
Der Unterschied Interessent – Kunde ist im Verkaufsprozess und für den Verkäufer wichtig.
“Aber ich bin doch Verkäufer, um jeden Interessenten zu beraten”, antwortete mir kürzlich ein freundlicher älterer Herr. Er ist in diesem Kundensinne geschult worden und ließ sich von uns coachen, weil er mehr verkaufen wollte.
Die möglichen Probleme, wenn Sie jeden Interessenten wie einen potentiellen Käufer behandeln:
- Sie vernachlässigen bestehende Kunden (Cross-Selling, Up-Selling, Kundenkontakt, Kundenservice.)
- Sie verhalten sich betriebswirtschaftlich unklug (hohe Kosten, geringer Umsatz = niedrige Gewinne).
- Das Unternehmen verliert eine stabile Kundenbasis (bestehende Kunden wandern enttäuscht ab, neue Kunden – Interessenten – kaufen wenig).
- Das Unternehmen entlässt Mitarbeiter (die Kunden werden noch weniger betreut).
- Ein Teufelskreis beginnt.
Es geht nicht darum, sich aus Spaß auf die Jetzt-Kunden zu konzentrieren. Es geht darum, Ihre Firma zu unterstützen und für Ihre Kunden Neuerungen und wettbewerbsfähige Preise anbieten zu können. Doch zurück zum Interessenten.
Bevor ein Kunde kauft, durchläuft er mehrere Stufen eines Kauf-Entscheidungsprozesses:
- Wahrnehmung eines Problem – “Da stört mich etwas, ärgerlich.”
- Informationsbeschaffung – “Was könnte ich denn dagegen tun?”"
- Auswertung von Alternativen – “Muss ich mal schauen, was das Beste ist.”
- Kaufentscheidung – “Das ist es! Damit habe ich die Lösung gefunden.”
Diese Stufen können sich während des Kauf-Prozesses wiederholen oder abwechseln und münden nicht automatisch im Kauf. Ihr Kunde kann auch entscheiden, dass sein jetziges Problem doch nicht so brandeilig ist.
Erkennen Sie im Verkaufsgespräch in welchem Stadium Ihr Kunde ist. Dann können Sie auf seine Bedürfnisse reagieren und gleichzeitig den Verkaufszyklus bis zu 60% verkürzen.
Die Verkürzung hängt von Ihrem Produkt, Ihrer Dienstleistung, der Anzahl Ihrer Kundenanfragen, Ihrem Kundenservice etc. ab.
Wie finden Sie heraus, ob Sie einen Interessenten oder einen Käufer vor sich haben?
Die beste Möglichkeit, sowohl telefonisch, per Mail und persönlich sind Fragen.
Stellen Sie Ihrem Kunden Fragen, weil Sie damit feststellen, wie kaufbereit er wirklich ist.
Mit etwas Übung gelingt Ihnen das immer besser und schneller. Und so haben Sie mehr Zeit Ihre kaufbereiten Kunden optimal zu beraten, zu bedienen und mit ihnen zu sprechen. Sie haben mehr Motivation und weniger Frust.
- Fragen Sie Ihren Kunden welche Probleme er mit Ihrer Leistung lösen möchte,
- wann er das Thema angehen will,
- welche Auswirkungen es hat, wenn er nicht aktiv wird,
- wie es aussieht, wenn er eine gute Lösung für sein Problem findet…
Erfahren Sie die wichtigsten Fragen im Verkauf und wie Sie Ihren Verkaufszyklus verkürzen in unserem Selbstlernkurs: Die 9 wichtigsten Fragen im Verkauf
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3 Reaktionen zu “Interessent oder Kunde? Wie Sie den Unterschied erkennen und 50% Zeit sparen”
Claudia Wehrli
Am 30. Juli 2009 um 18:38 Uhr
Hallo Andrea
Was für ein super Artikel! Ich verkaufe zwar unsere Produkte und Dienstleistungen nicht selbst, aber ich erlebe immer wieder, wie viel Zeit mein Chef mit Telefonaten und E-Mails verbringt, die schliesselich zu nichts führen. Ich werde ihm Euren Blog wärmstens zur Lektüre empfehlen!
Viele Grüsse und einen schönen Abend
Claudia
Andrea
Am 31. Juli 2009 um 09:18 Uhr
Hallo Claudia,
dankeschön! Wenn man diesen Unterschied als Verkäufer erkennt, kann man sehr erfolgreich sein – wenn nicht, bleibt der Umsatz leider aus. Zum Glück ist es ja erlernbar…
Viele Grüße
Andrea
9 Probleme bei der Kundengewinnung - und die Lösungen » Allgemein, Sich selbst motivieren und Ängste überwinden » Das Telefon-Tagebuch
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