Es gibt Menschen, die den ganzen Tag über etwas oder jemanden lamentieren: den Chef, das Wetter, ihre Gesundheit. Sobald man ein Thema anschneidet, klagen und jammern sie. Das kann andere Menschen – je nach persönlicher Tagesform – gehörig demotivieren.
Manchmal neigen wir selbst aber auch zu solchen gedanklichen Negativschleifen. So verständlich es in schwierigen Lebenssituationen sein kann – so wenig hilfreich und unterstützend ist dieser “Stuck State”, um Kraft zu finden, die Dinge positiv anzupacken und zu verändern.
Wie können wir einen festgefahrenen Geisteszustand verändern?
“Der Langsamste, der sein Ziel nicht aus den Augen verliert, geht noch immer geschwinder, als jener, der ohne Ziel umherirrt.”
Gotthold Ephraim Lessing
“Stuck State” ist ein Begriff aus dem Englischen, er bedeutet wörtlich übersetzt: festgefahrener oder festgezurrter Zustand. Man beschäftigt sich mit einer Sache so sehr, dass man keine Lösung mehr sieht. Man “sieht den Wald vor lauter Bäumen nicht mehr”.
Der innere Ärger lässt uns in Gedanken um das Ereignis kreisen. Er ist meist auch körperlich von einem Gefühl von Starre begleitet: man fühlt sich starr und wenig flexibel. Häufig sind es ähnliche Situationen, die uns ärgern oder wütend machen, z.B. wenn jemand in einem sarkastischen Tonfall zu uns spricht, unhöflich ist usw.
Ein paar Beispiele: “Der Chef legt mal wieder kurz vor dem Feierabend einen Aktenberg auf den Schreibtisch – und das, obwohl ich bereits gesagt habe, dass ich pünktlich gehen muss.”
“Die Verkäuferin hat mir versehentlich das falsche, viel zu kleine, Kleidungsstück mitgegeben, das ich heute Abend anziehen wollte.”
Der innere Dialog beschäftigt sich mit Schimpfworten und Fragen nach dem Warum und Wieso. Schlussendlich werde man immer wütender, während bereits einige Zeit vergangen ist.
Es ist möglich, sich selbst in diesem Dialog zu unterbrechen. Unsere inneren Zustände werden gleichzeitig immer auch körperlich widergespiegelt. Wenn wir angespannt sind, wird dies ebenfalls durch unsere Körperhaltung ausgedrückt. So ist es oftmals bereits eine Entspannung, wenn sich lässig im Stuhl zurückzulehnen. Strecken und Räkeln hilft weiter, sich zu entspannen.
Eine körperliche Entspannung verändert unmittelbar auch den geistigen, angespannten Zustand, weil die beiden Zustände von Körper und Geist nicht mehr zueinander passen.
“Was wir sind, sind wir durch unseren Körper. Der Körper ist der Handschuh der Seele, seine Sprache das Wort des Herzens. Jede innere Bewegung, Gefühle, Emotionen, Wünsche drücken sich durch unseren Körper aus.”
em.o.Univ.-Prof. Samy Molcho
Eine konkrete und bildhafte Möglichkeit kann helfen, sich aus einer Anspannung aktiv zu lösen: man dreht sich einfach 180° um die eigene Achse. Jetzt stellt man sich vor, wie man das Ärgernis an dem alten Platz, an dem man vorher gestanden hat, sieht. Man kann einige Schritte davon weggehen – und sich gleichzeitig auf ein wünschenswertes Ziel, ebenfalls bildlich vorgestellt, in entgegengesetzter Richtung zu bewegen.
Eine weitere Möglichkeit besteht darin, etwas vollkommen anderes, Kurioses oder Lächerliches zu tun. Pfeifen, laut lachen, die Telefonauskunft anrufen… ganz simple Tätigkeiten, um seinen eigenen, nicht gewünschten Zustand zu unterbrechen. Danach ist man häufig wieder bereit für konstruktive Gedanken.
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